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Projekte

Das Wachstum des Finanzsystems in der westlichen Welt, 1870-2012

Projektleitung:
Prof. Dr. Moritz Schularick
Projektbearbeitung:
Dr. Katharina Knoll, Dmitry Kuvshinov, M.A., Dr. Björn Richter,
Kaspar Zimmermann, M.A.
Laufzeit: 01.04.2015 – 31.03.2018

Sowohl die Triebkräfte des allgemeinen Wachstums des Finanzsektors in den letzten vier Jahrzehnten als auch die Divergenz innerhalb der OECD-Länder sind bisher nur unzureichend erforscht. Ziel dieses Forschungsvorhabens ist es, diese Lücke zu schließen. Eine wirtschaftshistorisch fundierte Analyse der Ursachen und Konsequenzen des Wachstums des Finanzsystems kann zu einem tieferen Verständnis der gegenwärtigen Trends und Entwicklungen beitragen, weil sich nur im historischen Längsschnitt die Bedeutung länderspezifischer und länderübergreifender Entwicklungen erkennen lässt und eine entsprechende Differenzierung der Ursachen- und Wirkungszusammenhänge möglich wird.

Dieser Herausforderung wird mit drei großen Arbeitspaketen begegnet:

  1. In ökonomischer Hinsicht besteht die zentrale Aufgabe des Finanzsektors in der Bereitstellung und dem Handel von Finanzinstrumenten, mit denen Risiken gepoolt und Ressourcen zwischen Wirtschaftssubjekten über die Zeit transferiert werden. Die Kosten der Finanzintermediation und das Einkommen des Finanzsektors variieren seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts erheblich. Vor allem während der letzten Jahrzehnte sind die Kosten für diese Dienstleistungen in vielen Ländern stark angestiegen (Philippon 2015). Im ersten Teil des Projekts soll aus historischen volkswirtschaftlichen Gesamt­rechnungen und anderen Quellen für etwa 15 OECD-Länder die Entwicklung des Einkommens des Finanzsektors bzw. die aggregierten Kosten der Finanzintermediation für die Realwirtschaft analysiert werden. Dies wird es zum ersten Mal ermöglichen, das Wachstum des Finanzsektors in den wichtigsten westlichen Industrieländern systematisch nachzuvollziehen.
  2. Das Wachstum des Finanzsektors lässt sich nicht nur anhand seines Anteils am BIP, sondern auch mithilfe des Volumens der produzierten Finanzinstrumente ablesen. Im Mittelpunkt des zweiten Teils des Forschungsprojektes steht die Produktion von Finanzdienstleis­tungen für Unternehmen und Haushalte – also das »Output« des Finanzsek­tors. Zentrale Fragestellungen sind hierbei: Wie hat sich das Volumen der Finanzintermediation entwickelt und wel­che Rolle spielen Fremd- und Eigenkapitalfinanzierung im Zeitverlauf?
  3. In einem dritten Teil des Projekts sollen länderübergreifend die Triebkräfte des rapiden Wachstums des Finanzsektors seit den 1970er Jahren untersucht und die Ursachen der erheblichen Divergenzen zwischen einzelnen Ländern erklärt werden. Dabei steht insbesondere die Bedeutung zweier Faktoren im Fokus (Greenwood und Scharfstein, 2013). Zum einen wird die Rolle, die politische Grundsatzentscheidungen in Bezug auf die Organisation und Ausgestaltung des Pensionssystems gespielt haben, näher untersucht. Den zweiten Schwerpunkt der Analyse bilden die unterschiedlichen Trends in der Immobilienfinanzierung und deren Implikationen für das Wachstum des Finanzsystems. Für eine umfassende historische Analyse dieser Triebkräfte spielen sowohl politische Faktoren als auch das Zusammenspiel ökonomischer Faktoren mit anderen säkularen Trends – wie zunehmender Einkommensungleichheit und Globalisierung – eine zentrale Rolle.
Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung
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