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Projekte

Was sollen Banken tun? Zur Bedeutung von Rationalität und Legitimität im Bankensystem

Projektleitung:
Prof. Dr. Bernhard Emunds, Prof. Dr. Jürgen Kädtler, Prof. Dr. Ulrich Klüh
Projektbearbeitung:
Dipl. Pol. Alen Bosankic, Dr. Michael Faust, Dipl. Soz. Korbinian Zander
Laufzeit: 01.03.2015 – 28.02.2018

Das Forschungsprojekt ist ein Verbundprojekt, das durch das Soziologische Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) koordiniert wird.

Das Gesamtprojekt verfolgt eine doppelte Zielsetzung:

  1. Zum einen soll die Entwicklung von Rationalitäts- und Legitimitätsvorstellungen rekonstruiert werden, mit denen sich Banken und das Bankensystem in Deutschland von Seiten der allgemeinen politischen oder Laienöffentlichkeit (Nell-Breuning-Institut), der Fachöffentlichkeit der Finanzregulatoren (Hochschule Darmstadt) und im Rahmen der Business Community (SOFI) konfrontiert sehen (Öffentlichkeitsanalysen).
  2. Zum anderen soll analysiert werden, wie die betreffenden Erwartungen auf der Ebene von Bank- und Kreditunternehmen praktisch wirksam werden. Diese Organisationsanalysen berücksichtigen unterschiedliche Eigentums- bzw. Governancestrukturen von Banken (private und öffentliche Banken), die bei der spezifischen Bezugnahme auf externe Erwartungen eine Rolle spielen dürften.

Das Teilprojekt »Erwartungen an Banken in Printmedien ­– Analyse und wirtschaftsethische Reflexion« am Oswald von Nell-Breuning-Institut ist gesellschaftlichen Erwartungen im engeren Sinne gewidmet, also den Erwartungen an Banken, die in der allgemeinen politisch-massenmedial konstituierten Öffentlichkeit beobachtet werden können. Zu diesem Zweck werden Artikel in ausgewählten Printmedien im Rahmen einer qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet. Insbesondere die Enttäuschung selbstverständlicher und insofern in der medialen Öffentlichkeit normalerweise latenter Erwartungen in Krisenzeiten ermöglicht dabei deren hermeneutische Rekonstruktion. Gleichzeitig sind Krisen diejenigen Situationen, in denen es zum Aushandeln und zur diskursiven Bewährung neuer Erwartungsarrangements kommt. Aus diesem Grund konzentriert sich die Analyse auf Zeiträume, in denen aufgrund der Enttäuschung etablierter Erwartungen intensive öffentliche Debatten über die gesamtwirtschaftliche Bedeutung und gesellschaftliche Verantwortung der Banken in Gang kommen: 1973-1975 (Herstattkrise) und 2007-2009 (Globale Finanzkrise). Die Analyse orientiert sich an folgenden Leitfragen:

  • Welche konkreten Erwartungen werden in der printmedialen Öffentlichkeit sichtbar? Welche sind in der öffentlichen Debatte besonders prominent und werden für regulatorische Politik relevant?
  • Welche Akteurs- bzw. Sprecher- und Adressaten-Konstellationen lassen sich rekonstruieren? Werden von verschiedenen, klar identifizierbaren Sprechern verschiedene Erwartungen betont? Werden an verschiedene Akteure verschiedene Erwartungen gerichtet? Werden verschiedenen Akteursgruppen im Rahmen etablierter Erwartungserwartungen verschiedene Erwartungshaltungen als legitim zugestanden?
  • Welche Widersprüche, Konflikte und Paradoxien treten dabei in Erscheinung und wie werden diese praktisch bearbeitet und in neue Erwartungsarrangements übersetzt?
  • Werden bestehende, faktisch enttäuschte Erwartungen in Krisensituationen unter Umständen wieder stabilisiert? Wie wird dies begründet bzw. wie wird ihre Enttäuschung im Einzelfall erklärt?
  • Welche Muster der Thematisierung von Erwartungen an Banken in Printmedien lassen sich im Vergleich in der Zeit und zwischen verschiedenen Printmedien identifizieren?

Im weiteren Verlauf soll eine intensivere Auseinandersetzung mit exemplarischen Artikeln aus soziologischer und wirtschaftsethischer Perspektive erfolgen. Dabei wird auf den Kontext der Öffentlichkeit als Arena gesellschaftlicher Selbstverständigung ebenso wie deren empirische massenmediale Konstitution reflektiert.

Das an der Hochschule Darmstadt angesiedelte Teilprojekt »Erwartungen der Regulierung – Regulierung der Erwartungen: Zur Genese enttäuschter Erwartungen im Bereich der Bankenregulierung« untersucht insbesondere die Erwartungen der Fachöffentlichkeit in den an den Regulierungsprozessen beteiligten Institutionen. Für diese Fachöffentlichkeit kann von einer starken Kontinuität von Erwartungsbildung, Erwartungsenttäuschung bzw. -bestätigung sowie Erwartungsrevision ausgegangen werden. Zudem kann angenommen werden, dass das Wechselspiel zwischen Erwartungen unterschiedlicher Ordnung stärker reflektiert wird. Da im Zentrum des Gesamtprojekts Bankorganisationen stehen, setzt die Untersuchung an den für Kreditinstitute seit Mitte der siebziger Jahre maßgeblichen Initiativen des Basler Ausschusses an. Eine besondere Aufmerksamkeit soll in diesem Zusammenhang der wirtschaftswissenschaftlichen Begleitung von Neu-, De- und Re-Regulierung zukommen.

Mittels einer Analyse der für die entsprechenden Konsultationsprozesse maßgeblichen Dokumente sowie mittels Experteninterviews soll auf die folgenden Forschungsfragen eingegangen werden:

  • Welche konkreten Funktionserwartungen lassen sich bei Regulierungsprozessen und deren wirtschaftswissenschaftlicher Begleitung identifizieren und welche Rolle spielen diese Funktionserwartungen an das Bankensystem und an einzelne Banken bei der Regelsetzung?
  • Welche Verhaltenserwartungen sind präsent, sowohl im Hinblick auf Interaktionen hinsichtlich der Regelsetzungsprozesse selbst, als auch im Hinblick auf andere Stakeholder (Kunden, Mitarbeiter, Anteilseigner und Träger) der Finanzinstitute?
  • Wird bei der Erwartungsbildung von Regulierungsinstanzen und ihren Impulsgebern aus Wissenschaft und Expertenschaft auf die verschiedenen Operationslogiken von Systemen und Organisationen eingegangen?
  • In welchem Umfang und in welcher Art wird bei der Formulierung von Erwartungen an Kreditinstitute zwischen unterschiedlichen Formen der Verfasstheit unterschieden?
  • In welcher Form werden Erwartungen zwischen den direkt an Regelungs- und Regulierungsprozessen beteiligten Gruppen mit den Erwartungen der Öffentlichkeit gekoppelt?

Ein besonderes Augenmerk gilt hierbei den Besonderheiten des deutschen Bankensystems. So soll im Zusammenhang mit der Ermittlung von Funktionserwartungen auf die Frage eingegangen werden, ob den drei Säulen des deutschen Systems unterschiedliche Erwartungshaltungen entgegengebracht werden. Möglich wäre in diesem Zusammenhang auch ein Wechsel zwischen Phasen der konvergierenden und der divergierenden Erwartungen an öffentlich-rechtliche, genossenschaftliche und private Institute. Da die bisherige sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Arbeit des Basler Ausschusses vor allem die Herausbildung und Natur transnationaler Regulierungsstrukturen untersucht, adressiert das Teilprojekt eine bedeutsame Forschungslücke.

Das Teilprojekt des SOFI »Leitbilder der Business Community und die selektive Aufnahme gesellschaftlicher Erwartungen in der Geschäftspolitik und Organisation von Banken« umfasst die Öffentlichkeitsanalyse der Business Community und die Organisationsanalysen. Zur Business Community werden neben den Banken und Kreditinstituten selbst, deren Verbände sowie einschlägig tätige Consultingunternehmen, Analysten und die einschlägige Wirtschaftspresse gezählt. Im Rahmen dieser Öffentlichkeit zirkulieren branchenbezogene Leitbilder, berufliche Rollenvorbilder, Geschäfts- und Organisationsmodelle, Erfolgsmaßstäbe sowie spezifische Managementpraktiken. Diese werden verglichen, gegeneinander abgewogen oder kontrovers gegeneinander gestellt und können sich zu bestimmten Zeiten zu hegemonialen Leitvorstellungen verdichten.

Auf der Grundlage von Dokumenten- und Medienanalysen und ergänzenden Expertengesprächen werden folgende Forschungsfragen bearbeitet:

  • Welche Geschäftsprinzipien werden artikuliert und propagiert? Mit welchem Gewicht gehen einzelwirtschaftliche Zielsetzungen und unterstellte gesellschaftliche Erwartungen und Funktionszuschreibungen in die Formulierung dieser Prinzipien ein?
  • Welche Zielgrößen und Erfolgsmaßstäbe werden als maßgeblich für Banken und Kreditinstitute identifiziert und propagiert? Welche werden als überholt bzw. unzeitgemäß kritisiert?
  • Welche Märkte und welche Produkte und Produktlinien werden als zentral für das Bankgeschäft identifiziert?
  • Welche beruflichen Rollenvorbilder bzw. Tugenden von BankmitarbeiterInnen werden betont bzw. propagiert?

Die exemplarischen Organisationsanalysen fragen danach, wie die Leitvorstellungen in der Business Community in Bezug auf die Geschäftspolitik von privaten Banken und Sparkassen, ihre organisatorischen Strukturen und beruflichen Profile aufgegriffen, spezifiziert, modifiziert oder ggf. auch ignoriert oder zurückgewiesen werden.

Besondere Beachtung kommt im Hinblick auf die Leitfragestellungen des Projekts der Frage nach den Arbeitsorientierungen und dem Arbeitshandeln von Bankbeschäftigten zu. Hierbei interessieren zum einen die Verfahren und Instrumente der Verhaltenssteuerung durch die Organisation. Zum anderen werden von Seiten der Beschäftigten ihrerseits in beruflicher Sozialisation gewonnene Rationalitäts- und Legitimitätsvorstellungen eingebracht, sowie erfahrungsbasierte Annahmen darüber, was in bestimmten Situationen in der betreffenden Organisation de facto als richtiges Verhalten gilt. Wie diese unterschiedlichen Handlungsorientierungen und –zwänge aufeinander treffen und ausgehandelt werden, soll für zentrale banktypische Handlungsfelder (Privatkundenbetreuung, Kreditvergabe an Geschäftskunden) im Bankengruppenvergleich analysiert werden.

Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung
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MARX200: Politik – Theorie – Sozialismus

2. bis 6. Mai 2018,
Kongress, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Berlin.

The Dynamics of Capitalism: Inquiries to Marx on the Occasion of his 200th Birthday

03.05.2018 19:00 Uhr – 05.05.2018 13:00 Uhr
Hamburger Institut für Sozialforschung

Third Conference on Financial Markets and Macroeconomic Performance

7. und 8. Mai 2018,
House of Finance, Goethe Universität Frankfurt.
Deadline: 15. Februar 2018.

Reforming EMU: Is there a Role for Economists?

Lorenzo Bini Smaghi
Chairman of the Board, Société Générale
Former Member of the Board, ECB

Moderator: Hans-Helmut Kotz
SAFE and Harvard University

12.00 pm to 1:30 pm, 16 May 2018
Room E.21, House of Finance
Campus Westend, Goethe University Frankfurt

The Great Transition: Setting the Stage for a Post-Capitalist Society

17. bis 20. Mai 2018,
Conference, Montreal.
Deadline: 15. November 2017.

Exit, Voice and Loyalty: Alternative Economic Models and Responses to Decline in Contemporary Society

21. und 22. Mai 2018,
Workshop, Polen (Warschau).
Deadline: 10. Dezember 2017.

Alles nur Trockenschwimmen? Fünf verbreitete Fehlvorstellungen über das neue Abwicklungsregime

Dr. Thorsten Pötzsch
Exekutivdirektor des Geschäftsbereichs Abwicklung bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
12:15 Uhr – 13:45 Uhr, 22. Mai 2018
Raum E.21, House of Finance, Campus Westend

Risk, Honor & Innovation: Imagining New Markets

24. bis 26. Mai 2018,
3rd Biennial Richard Robinson Workshop on Business History, Portland State University.
Deadline: 15. November 2017.

European Spaces of Financialization

28. und 29. Mai 2018, Fifth FINGEO Global Seminar, Vrije Universiteit Brussel, Brüssel, Belgien.
Deadline: 15. Januar 2018.

Sustainability and the Sharing Economy – Nightmare or Transformational Innovation?

Öffentlicher Vortrag
31. Mai 2018, 18:00-20:00
Universität Hamburg
Raum 250, Allendeplatz 1

Market Situations – Situated Markets: 5th Interdisciplinary Market Studies Workshop

6. bis 8. Juni 2018,
Copenhagen Business School, Deadline: 29. Januar 2018.

Lehman – 10 Years After

8. Juni 2018
Raum 1.811, Casino, Campus Westend
Goethe Universität Frankfurt

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